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Paternoster Mainz

Paternoster Mainz
Foto: Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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Das Gebäude der ehemaligen Reichsbahndirektion wurde 1938 am westlichen Ende der Kaiserstraße errichtet. Trotz verschiedener Einwände gegen den mächtigen Bau, der die boulevardähnliche Gestalt der Kaiserstraße - das Bindeglied zwischen Altstadt und Neustadt - beeinträchtigte, setzte sich die Reichsbahndirektion durch. Nicht zuletzt mit der Drohung, den Sitz in eine andere Stadt zu verlegen. Das Bürogebäude wurde als Erweiterung der bereits bestehenden Reichsbahndirektion errichtet, die Philipp Berdellé 1886 erbaut hatte. Von Anfang an waren beide Gebäude durch eine gedeckte Brücke in Höhe des ersten Obergeschosses miteinander verbunden. Der Bau ist durch die zeittypische Mischung aus Monumentalität und sachlicher Formgebung geprägt. Den Mittelteil des Eisenbetonskelettbaus gliedern mächtige vertikale Mauerzungen, begleitet vom lebendigen Wandrelief der betonten Fensterrahmungen. Ein kräftig vortretendes Flachdach bildet den oberen Abschluss. Die moderne Eisenbetonkonstruktion wird kaschiert durch eine Muschelkalkverkleidung. Den Mittelteil rahmen zwei blockartige Seitenflügel. Zugunsten der monumentalen Wirkung verzichtet der Bau weitgehend auf kleinteilige Formen. Eine Ausnahme sind die verspielten Eichenlaubgitter der Eingangstüren und die Fensterbrüstungen im ersten Obergeschoss. Sowohl die Fahnenmasten als auch die bauzeitlichen Leuchten am Hauptportal besitzen Symbolelemente aus der Erbauungszeit: Reichsadler bzw. zu Hakenkreuzen angeordnetes Eichenlaub. Trotz der starken Zerstörungen von Mainz im Zweiten Weltkrieg blieb das Gebäude von Schäden weitgehend verschont und birgt noch wesentliche Teile der Originalausstattung. Die Eingangshalle, die Flure im Parterre sowie die im ersten Obergeschoss sind aufwendig in rotem Lahnmarmor verkleidet. Erhalten sind die ursprünglichen Stockwerksbeschriftungen sowie als weitere Ausstattungsteile die Aluminiumgitter der Heizungsverblendungen. Im Erdgeschoss wird in großformatigen Glasfenstern der 50er Jahre die Entwicklung des Verkehrs bis hin zur Eisenbahn dargestellt. Das Treppenhaus mit seinem Aluminiumgeländer ist in der Formensprache der klassischen Moderne der 1920er Jahre gehalten. Die geschwungenen Läufe im Wechsel mit den Podesten ergeben einen grandiosen Anblick. Auch die Originalausstattung der beiden Sitzungssäle mit Lampen, Parkett und Teilen des Mobiliars sind erhalten. Besonders bemerkenswert ist der aus der Bauzeit stammende Paternoster. Es handelt sich um den ältesten Aufzug dieser Konstruktion in Rheinland-Pfalz. Gerahmt von schwarzen Marmorgewänden transportiert der holzverkleidete Paternoster in zwei Schächten noch heute höchstens zwei Personen pro Kabine.

In den Jahren 2000 bis 2001 hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Instandsetzungsarbeiten am Paternoster sowie die Natursteinarbeiten in Fluren und Treppenhäusern gefördert.



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